Jahresbericht 2025

Beratung für Junge neu gedacht

Sowohl schweizweit als auch im Kanton Bern ist in den letzten Jahren ein Anstieg der IV-Renten bei 18- bis 25-Jährigen zu beobachten. Besonders betroffen sind Jugendliche und junge Erwachsene mit psychischen und neuropsychologischen Störungen – häufig verbunden mit Begleiterkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen.

Die berufliche Integration dieser jungen Menschen stellt eine grosse Herausforderung dar. Betroffen sind neben den Jugendlichen selbst auch Familien, Schulen, Ausbildungsbetriebe, Arbeitgebende und die Case Managerinnen und Case Manager der IV.


Azra Avdukic, Sie leiten den Bereich Beratung & Begleitung der IV-Stelle Kanton Bern. Ihr Bereich ist zentral mit diesen Herausforderungen konfrontiert. Wo sehen Sie Hebel, um eine nachhaltige berufliche Integration besser zu ermöglichen?
Azra Avdukic: Nachhaltige Integration gelingt vor allem durch frühes, koordiniertes und transparentes Handeln. Deshalb bauen wir unsere Beratungs- und Unterstützungsangebote weiter aus, insbesondere im Bereich psychischer Erkrankungen bei jungen Menschen, und stärken Beratung, Information und Sensibilisierung. Wichtig ist zudem die enge Zusammenarbeit mit unseren Partnerinnen und Partner. Schnittstellen zwischen Kliniken, Fachpersonen und der IV sollen früher greifen, damit der Unterstützungsbedarf frühzeitig und koordiniert geklärt werden kann.

Welche Rolle spielt die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Bildungs-, Gesundheits- und Sozialinstitutionen?
Sie ist zentral. Schulen, Ausbildungsbetriebe, Ärztinnen und Ärzte, Sozialdienste und Fachstellen nehmen Veränderungen oft als Erste wahr und können frühzeitig reagieren. Entscheidend ist der gemeinsame Blick: Jede Stelle sieht nur einen Teil der Situation. Erst im koordinierten Zusammenspiel entsteht eine fundierte Grundlage für tragfähige Entscheide. Klare Rollen und Zuständigkeiten schaffen dabei Effizienz und Verbindlichkeit.

Die IV-Stelle Kanon Bern hat 2025 eine Studie mit der Berner Fachhochschule lanciert, deren Resultate Anfang Mai 2026 veröffentlicht werden. Welche Fragestellungen stehen im Zentrum?
Die Studie soll die steigenden Anmeldezahlen junger Menschen mit psychischen Erkrankungen wissenschaftlich einordnen. Ziel ist ein neutraler, datenbasierter Blick, um Entwicklungen zu verstehen statt vorschnelle Schlüsse zu ziehen. Im Zentrum stehen drei Fragen: Wer ist die betroffene Zielgruppe? Wie lässt sich die Entwicklung erklären? Und wie ist das Unterstützungssystem im Kanton Bern aufgestellt? Zudem interessiert uns, wo Herausforderungen oder Lücken bestehen und welche Ansätze sich anderswo bewährt haben.

Was ist als nächstes geplant?
2026 planen wir einen neuen Auftritt mit neuem Namen, um unsere Angebote näher an der Lebenswelt junger Menschen zu positionieren. Zudem entsteht eine eigene Informationsplattform für Jugendliche sowie für Eltern, Lehrpersonen, Arbeitgebende und Fachstellen. Ergänzend bauen wir Workshops zum IV-Verfahren aus und verstärken unsere Präsenz an Anlässen wie beispielsweise der Berufs- und Ausbildungsmesse (BAM) und der Inklusiven Berufsbildungsmesse (IBBM).

Azra Avdukic, Bereichsleiterin Beratung & Begleitung der IV-Stelle Kanton Bern