Jahresbericht 2025

Zusammenarbeit mit grossen Arbeitgebenden intensivieren

Damit jemand seine Stelle im ersten Arbeitsmarkt behalten oder dort wieder Fuss fassen kann, sind engagierte Arbeitgebende ein zentraler Baustein für den Erfolg. Der Bedarf an Unterstützung durch die IV ist bei einem grossen Unternehmen aber teilweise anderes als bei einem kleinen KMU. Diesem Umstand will die IV-Stelle Kanton Bern mit neuen Strukturen und Prozessen künftig besser Rechnung tragen..


Ein grosses Unternehmen verfügt oft bereits über gute Möglichkeiten, um seine Mitarbeitenden bei einem Ausfall zu unterstützen – wie beispielsweise ein professionelles Case Management. Zusammen mit den Unterstützungsangeboten der IV ergibt sich so eine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Eingliederung. Damit die Stärken von Arbeitgebenden und IV voll zum Tragen kommen, müssen ihre Leistungen gut abgestimmt sein. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Zwar berücksichtig die IV-Stelle Kanton Bern seit Jahren die besonderen Bedürfnisse grosser Arbeitgeber – zum Beispiel mit fixen Ansprechpersonen für Unternehmen mit über 500 Mitarbeitenden. Dennoch wurden wiederholt kritisiert, dass das standardisierte IV-Verfahren zu bürokratisch und zu wenig flexibel sei.

Ausserdem wünscht sich die IV, dass grosse Arbeitgebende ihre soziale Verantwortung noch stärker wahrnehmen. Ziel ist, mehr Menschen den Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Dies ist auch der Entwicklung neuer sowie dem gezielten Ausbau bestehender Eingliederungsprodukten zu verdanken. So stellte sich die Ausgangslage im Frühling 2025.

Start als Projekt
Mit der Organisationsentwicklung wurde am 1. April 2025 innerhalb der Abteilung Partnerschaften & Netzwerke das Team Grosse Arbeitgeber geschaffen. Der Aufbau startete als Projekt. In einem ersten Schritt wurden die Bedürfnisse und Ansprüche der grossen Arbeitgeber an die IV umfassend gesammelt. Die Auswertung von 14 strukturierten Interviews mit grossen Unternehmen aus dem Kanton zeichnet ein umfassendes Gesamtbild.

Während einige Befragten sich mit dem Status quo zufrieden zeigen, wird von anderen vor allem eine klarere Zuständigkeit auf Seiten IV gewünscht. Zwar gibt es eine solche bei der IV-Stelle Kanton Bern bereits seit rund 20 Jahren. Gewünscht wird aber eine Ausweitung. Das heisst: Neben einer Case Managerin, einem Case Manager als fixe Kontaktperson, sollen auch die Rentenspezialistinnen und -spezialisten sowie die Ärztinnen und Ärzte des Regional Ärztlichen Dienstes im Hintergrund immer dieselben sein – bei allen Fällen aus dem Kanton Bern des Unternehmens. Ein ebenso häufig geäusserter Wunsch ist, dass die IV-Stelle Kanton Bern die Stellenvermittlung für Personen, die wieder eingegliedert werden können, wieder selbst übernimmt. Diese Aufgabe wurde vor mehreren Jahren an verschiedene Institutionen sowie Partnerinnen und Partner übergeben. Daneben zeigte sich vor allem das Bedürfnis, administrative Prozesse zu vereinfachen, beispielsweise durch ein vereinfachtes Anmeldeformular mit hinterlegten Standardinformationen, damit nicht alles immer wieder neu eingegeben werden muss.

Damit decken sich die Rückmeldungen grösstenteils mit bereits beobachteten Schwierigkeiten. Insbesondere die teilweise mangelnde Effizient bei der Stellenvermittlung wurde wiederholt deutlich. Hier will die IV-Stelle Kanton Bern möglichst bald ansetzen. Ziel ist, dass Unternehmen mittelfristig offene Stellen, die sich für die Eingliederung eignen, direkt melden und Mitarbeitende der IV geeignete Personen gezielt vermitteln.

Konkretisierung und Ausbau
Damit die weiteren Erkenntnisse aus den Befragungen verfeinert werden können, wurde ein Pilotprojekt mit der Migros Aare gestartet, (siehe Kasten). Das Interesse von weiteren Unternehmen an solchen massgeschneiderten Lösungen ist gross.

In den kommenden Monaten wird deshalb das Angebot für grosse Arbeitgeber weiter ausgebaut, indem jeweils ein interdisziplinäres Team alle Dossiers von Mitarbeitenden eines Unternehmens betreuen. Wie sich die Kräfte von grossen Arbeitgebenden und der IV weiter bündeln lassen, wird sich im Verlauf des 2026 weiter konkretisieren. Immer im Fokus dabei: Menschen, möglichst schnell mit passgenauen Lösungen zu unterstützen, damit sie weiterhin arbeitstätig bleiben können oder nach einer Arbeitsunfähigkeit wieder einer Arbeit nachgehen können.


Pilotprojekt mit der Migros Aare

Am 1. März 2026 hat die IV-Stelle Kanton Bern im Rahmen des Projekts «Grosse Arbeitgebende» ein Pilot mit der Migros Aare gestartet. Bis am 31. August 2026 sollen so wichtige Erkenntnisse gesammelt werden, um die Zusammenarbeit zwischen der Migros Aare, deren Krankentaggeldversicherung und der IV zu optimieren, bestehende Eingliederungsprodukte weiterzuentwickeln und auszubauen sowie neue Angebote auszuarbeiten. Durch ein frühzeitiges und gemeinsames Vorgehen, sollen die Rentenzusprachen bei den Mitarbeitenden der Migros Aare nach Möglichkeit reduziert sowie ihre Weiterbeschäftigung im ersten Arbeitsmarkt gefördert werden.

Die wichtigsten Punkte der Zusammenarbeit

  • Neu ist für die Mitarbeitenden der Migros Aare mit Wohnsitz im Kanton Bern eine einzige Case Managerin der IV-Stelle Kanton Bern als Kontaktperson zuständig. Im Hintergrund arbeiten eine Rentenspezialistin oder ein Rentenspezialist und zwei RAD-Ärztinnen oder Ärzte (somatisch und psychiatrisch) mit. Alle kennen die konkrete Situation des Unternehmens und die spezifischen Bedürfnisse im Eingliederungsprozess bei der Migros Aare.
  • Die IV-Stelle Kanton Bern arbeitet eng mit dem Präsenz- und Case Management der Migros Aare und dem Casemanagement der Krankentaggeld- sowie der Unfallversicherung zusammen.
  • Bis zu einem Tag pro Woche arbeitet die zuständige Person der IV-Stelle Kanton Bern am Hauptsitz der Migros Aare in Schönbühl.
  • Es finden regelmässig Besprechungen über Fälle statt, bei denen noch keine IV-Anmeldung erfolgt ist. Ziel dabei ist es, schnell reagieren zu können So können erste Massnahmen zum Erhalt des Arbeitsplatzes – wie beispielsweise ein Coaching – auch ohne Anmeldung eingeleitet werden.